Lisa Keil

Lisa Keil Germanistik Literaturwissenschaft

Körperformung als Selbstformung in literarischen Texten der Gegenwart

Betreuerin: Barbara Thums

Sucht man auf Instagram nach „#fitness“, finden sich aktuell über 305.000.000 Beiträge, die bezeugen, dass die Formung des Körpers momentan einen breiten gesellschaftlichen Trend darstellt. Literarische Texte greifen diesen Diskurs nicht nur auf, sondern entwickeln eigene Ästhetiken zur Formung und Inszenierung des Körpers und tragen somit zum spätmodernen Körperdiskurs bei. Sie blicken dabei auch kritisch auf die in der visuellen Kultur durch Fluten von Bildern verbreiteten Schönheitsideale und andere Leitlinien der Körperformung. Antike diätetische Praktiken und christliche Praktiken der Askese werden dabei als Technologien des Selbst aktualisiert und mit spätmodernen Körperkonzepten verknüpft.
Nicht nur auf der Social-Media-Plattform Instagram wird allerdings Körperformung mit Medien verbunden, auch literarische Texte schließen den Körperdiskurs an unterschiedliche Medien an: von Fotographien über Malerei zur Beschriftung der Haut bei Tätowierungen bis zu den digitalen Medien, in denen der Körper scheinbar verschwindet.

Mein Dissertationsprojekt möchte diese Schnittstelle zwischen Körperformung als Selbstformung und Medien literaturwissenschaftlich untersuchen. In der Verbindung von hermeneutischen Textanalysen mit medienwissenschaftlichen Konzepten werden die von den literarischen Texten produktiv gemachten Körperverständnisse diskutiert. Der Begriff der Automedialität als Darstellung und Vergegenständlichung des Selbst in verschiedenen Medien zur Selbsterkenntnis und -reflexion wird hierbei für literarische Figuren verwendet, die sich vor allem medial entäußern, indem sie ihren Körper inszenieren.

Im Fokus stehen drei deutschsprachige Romane der Gegenwart, die unterschiedliche Körperkonzepte und Medien aufrufen. Untersucht werden hier Ulrike Draesners Mitgift (2002), Terézia Moras Der einzige Mann auf dem Kontinent (2009) und Wolf Haas‘ Brennerova (2014), die alle von der Norm abweichende Körperformungen aufweisen und auf diese Weise gesellschaftskritisches Potential entwickeln.

Kontakt: lkeil@students.uni-mainz.de

Forschungsschwerpunkte

  • Gegenwartsliteratur
  • Gender und Queer Studies, insbes. Intergeschlechtlichkeit
  • Diskurse des Alimentären
  • Intermedialität der Literatur
  • Posthumanismus

Publikationen

  • Gemeinsam mit Kirsten Flöter, Kathrin Lohse, Annabelle Schülein und Lucas Sand: Bericht zur Tagung „Sakralisierung des Selbst“ des Mainzer Graduiertennachwuchskollegs „Ethnographien des Selbst in der Gegenwart“. In: KULT_online. Review Journal for the Study of Culture 2019 (60).

Vorträge

  •  „Testosteron zwischen Optimierungs- und Geschlechtsindiz – Diskurse um das Hormon von Caster Semenya bis Sasha Marianna Salzmann“, Vortrag am 4. März 2021 im Rahmen der Tagung „Optimierung des Selbst“, zweite Jahrestagung des Graduiertennachwuchskollegs „Ethnographien des Selbst in der Gegenwart“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
  •  „Zwischen Aphrodite und Hermes – mythologische Transformationen um Intersexualität in Ulrike Draesners Mitgift“, Vortrag am 26. Februar 2021 im Rahmen der digitalen Konferenz „Mythos und Postmoderne – Mythostransformation & mythische Frauen in zeitgenössischen Texten“ der Ruhr-Universität Bochum.
  • „Posthumanistische Selbstformung in der Gegenwartsliteratur am Beispiel von Olga Flors Ich in Gelb“, Vortrag am 11. Dezember 2020 im Rahmen der digitalen Konferenz „Gender Revisited. Verhandlungen von Geschlecht im Zeitalter des Posthumanismus“ der Posthuman Gender Studies Research Group an der Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich.
  • „Photographische Bildlichkeit in Ulrike Draesners Mitgift“, Vortrag am 3. November 2018 im Rahmen des Eröffnungsworkshops des Graduiertennachwuchskollegs „Ethnographien des Selbst in der Gegenwart“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.