Lucas Sand

Ethnographie des Selbst in der Welt des Fußballs

Betreuer: Michael Roth

Die Dissertationsarbeit „Ethnographie des Selbst in der Welt des Fußballs“ untersucht, inwiefern der Mensch innerhalb der Welt des Fußballs die Möglichkeit zur Selbstformung und Selbstoptimierung hat.
Als Ausgangspunkt der Arbeit wird zunächst darzulegen sein, ob und inwiefern Kirche und Religion als Orte der Selbstformung in Betracht gezogen werden können. Hier gilt es einerseits herauszuarbeiten, welche Möglichkeiten hinsichtlich der Formung und Optimierung des eigenen Selbst christliche Religion und Kirche bieten, um darüberhinaus den Blick auf den gegenwärtigen Zustand der Kirche in Deutschland zu richten.
Um sich fortfolgend der Welt des Fußballs auf sinnvolle Art und Weise zu nähern, bedarf es sowohl einer kulturgeschichtlichen Betrachtung des Spiels im Allgemeinen (die unter anderem Aufschluss darüber geben soll, weshalb die Menschen spielen), als auch einer Auseinandersetzung mit dem Fußballspiel im Speziellen. An dieser Stelle ist es von besonderem Interesse, der enormen Wirkungskraft des Fußballs als dem Publikumsmagneten unserer Zeit auf den Grund zu gehen und anhand der Spezifika des Spiels aufzuzeigen, inwiefern sich der Fußball von anderen Sportarten auf eine solche Weise unterscheidet, dass er die Menschen so sehr in seinen Bann zu ziehen vermag.

In diesem Zusammenhang rückt nun die Sakralisierung des Fußballs in den Blickpunkt der Arbeit. Sie setzt sich mit der innerhalb der Forschungsliteratur häufig aufgegriffenen These auseinander, wonach der Fußball für viele Menschen längst eine Art Ersatzreligion geworden sei und zahlreiche ursprünglich ausschließlich religiös konnotierte Symbolisierungspraktiken aufweise. Um diese These zu diskutieren, soll die religiöse Symbolik innerhalb der Welt des Fußballs ebenso herausgearbeitet werden, wie die quasi-religiösen Funktionen, die innerhalb dieser Erfüllung finden können.

Um das eigene Selbst in der Welt des Fußballs zu formen, zu optimieren und zu inszenieren, gibt es vielfältige Möglichkeiten, die innerhalb der Arbeit aufgezeigt werden. So bietet das Fan-Sein den Menschen die Möglichkeit, zumindest vorübergehend in eine andere Welt abzutauchen, in der das eigene Selbstwertgefühl durch die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Verein beziehungsweise durch die Inszenierung des eigenen Selbst (sei es innerhalb eines Kollektivs oder individuell) gesteigert werden kann, seelische Anspannungen abgebaut werden können und bestimmte Werte, die innerhalb unserer Gesellschaft keine oder nur sehr wenig Anerkennung finden, gelebt werden können. Diesbezüglich gilt es zu analysieren, inwiefern solche Werte und Verhaltensnormen, möglicherweise zu defizitären Anerkennungsmustern führen können.

Kontakt: lsand@students.uni-mainz.de